Was ist sichere Bindung?
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Das ZEIT Magazin hat den Psychiater Amir Levine zum Thema »Sichere Bindung in Beziehungen« interviewt. Ein paar für mich spannende Ausschnitte:
Erst einmal habe ich fünf Säulen identifiziert, die einem Sicherheit geben: Beständigkeit, Verfügbarkeit, Reaktionsbereitschaft, Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit. Das heißt: Man ist für den anderen da, man steht zur Verfügung, wenn man gebraucht wird, man reagiert, wenn der andere einen kontaktiert, man ghostet nicht und ist nicht unberechenbar. Um sich sicher zu fühlen, sollte man sich mit Personen umgehen, die diese Werte leben, und man sollte es auch selbst tun.
Ich sage nicht, dass Sie den Kontakt abbrechen sollen. Aber wenn Sie immer wieder auf Nachrichten warten oder das Gefühl haben, Ihrem Freund nicht wichtig zu sein, macht Sie das wahrscheinlich wütend oder traurig. Sie grübeln, was Sie falsch gemacht haben, und Ihr Gehirnversucht andauernd, eine Lösung zu finden, die es nicht gibt. Das ist sehr stressig. Ich schlage stattdessen eine Technik vor, die ich »wall tennis with love« nenne, also Wandtennis mit der Liebe. Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Wand. Was Ihnen Ihr Freund an Liebe zuspielt, spielen Sie zurück. Sie antworten auf seine Nachrichten, mit Wärme und Zuverlässigkeit, aber Sie initiieren keinen Kontakt. Ich habe einen Freund, der mir immer mal wieder »Hallo« schreibt, dann schreibe ich »Hallo« zurück und höre eine Woche nichts mehr von ihm. Manchmal gibt er sich mehr Mühe und ruft mich an, dann spreche ich mit ihm.
ZEITmagazin: Das klingt frustrierend.
Levine: Im Gegenteil. Früher war ich verletzt, wenn ich mir mehr Mühe gegeben habe und von ihm nichts zurückkam, wenn er mich mied. Eine Zeit lang hatten wir sogar keinen Kontakt. Aber er ist eben ein Mensch, der es bevorzugt, sich nur zu melden, wenn er es will. Jetzt haben wir dann gute Gespräche, wenn er es tut, und ich freue mich über den Kontakt. Aber es regt mich nicht mehr auf, wenn ich länger nichts von ihm höre. Gerade für Menschen, die ängstlich gebunden sind, kann ein solches Verhalten wie das meines Freundes sehr schwierig sein, sie nehmen das vermeidende Verhalten als Bedrohung für die Beziehung wahr. Deshalb müssen sie Strategien finden, damit so umzugehen, dass es sie weniger belastet.
Und Levine selbst?
Mittlerweile fühle ich mich eigentlich immer sicher. Ich habe mir etwas aufgebaut, das ich ein »sicheres Dorf« nenne: ein Netzwerk aus Menschen, auf die ich mich verlassen kann und die die fünf Säulen leben. Ich versuche, dieses Gefühl der Sicherheit auch an andere Menschen weiterzugeben. Wir leben in turbulenten Zeiten und können nicht alles kontrollieren, was auf der Welt passiert. Aber wir können beeinflussen, wie sich Menschen in unserer Umgebung fühlen, wir können Momente der Hypervernetzung bilden. Das mache ich zum Beispiel, indem ich Menschen grüße, wenn ich einen Aufzug betrete. Als ich neulich von Los Angeles zurück nach Hause geflogen bin, habe ich drei Schokoriegel gekauft und sie den beiden Menschen angeboten, die neben mir saßen, um ein angenehmes Umfeld zu schaffen.
Was für eine umwerfende Idee! Hier der ganze Beitrag.


